

Erwartungsvolle Blicke aus den vollbesetzten Reihen des LOT-Theaters. Nächste Studentengruppe, nächste Performance, neues Thema, neue Welt.
Doch zuerst die Flucht nach hinten: Schön aufgereiht stehen die sechs Performer frontal dem Publikum gegenüber, holen gemeinsam tief Luft als könnten sie jeden Moment in einem Chorgesang die sinngebende Einleitung ihres Stückes anstimmen. Der Atem geht noch tiefer in die Lungen, während ihre Blicke nervös durch die im Dunkeln sitzende Menge zucken und aus den schon im Ansatz geöffneten Mündern kommt – nichts. Die kollektive Sprachlosigkeit lässt die junge Truppe verschämt zurück hinter die sichtschützende Leinwand, vor der sie eben noch standen, flüchten.
Wie in einem klassischen Prolog zeigt sich hier die Hinführung zur Thematik, mit welcher sich die Gruppe auseinandersetzt: Sprache, über welche sie nun im Folgenden in verschiedenen Abrissen reflektieren. Was passiert wenn mir die Worte fehlen? Wie lassen sich Gedanken, Gefühle und Erfahrungen überhaupt verbalisieren, in das strukturelle System der Sprache überführen? Und was davon kann mein Gegenüber überhaupt noch verstehen? Verstehen so wie es gemeint war? Wenn ein anderer Mensch das gleiche sagt wie ich, meint es dann auch dasselbe, ist also automatisch dasselbe? Und welche Bedeutung hat Sprache speziell für das Theater?
Die einzelnen vorgeführten Szenen sind vielseitig. Sprechen, erzählen, schreien. Sich wundern, sich beklagen, verstummen. Währenddessen begleitet ein schweigsamer Schlagzeuger die Worte und Sätze, lädt sie dabei mit Bedeutung und Spannung auf. Auch wird er mal angeschnauzt, er könne ja auch mal seine Meinung sagen, das würde allen hier sehr viel bedeuten – nein er schweigt weiter, grenzt sich von den anderen so nicht nur durch sein Kostüm ab. Zuletzt fungieren seine ersten Worte als letzte Worte: „Was habt ihr gerade gesagt? Ich wünschte, ich wüsste was ihr gerade gesagt habt!“ Im Kontrast zum Prolog der Sprachlosigkeit oder –verweigerung tritt so im Epilog das Unverständnis auf.
Sarah Becker über „Ich denke ja gar nichts, ich sage ja nur“, Theaterperformance unter der Leitung von Ole Hruschka und Kati Reinecke am 11.05.2010 beim „Jour Fixe 5“ des Studiengangs Darstellendes Spiel / Kunst in Aktion im L.O.T.-Theater.
Steffen Grimberg:
http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/die-emanzipations-des-web-journalismus/“Pulitzer goes Online - Emanzipation des Web-Journalismus”